Geschichte einer Wanderung zu den Kofelraster Seen

Es war Mitte Juli, und ich hatte ein langes Wochenende, das heißt, dass ich schon am Donnerstag frei hatte. Das Wetter war schön, meine Frau und ich entschieden uns, nach Südtirol zu fahren, zu Bekannten in Latsch. Also fuhren wir am Freitag in aller Früh von München los, Richtung Garmisch Partenkirchen, über den Fernpass, Imst, Landeck, Reschenpass, den Reschensee entlang, der eine eigene Geschichte hat, über die ich später schreiben werde. Von Reschenpass fuhren wir das Vinschgautal entlang bis Latsch, was ungefähr 30-40 km sein dürften. Auch in Südtirol war ein herrliches Bilderbuchwetter. Schon am Freitag machten wir mit den Bekannten aus - nennen wir sie beim Namen: Fanny ist die Mutter von Elenore und Josef der Ehemann von Elenore - dass wir auf die Marzoner Alm fahren wollten.  Samstag früh, nach dem kräftigen Frühstück, fuhr Josef mit seinem Traktor und Anhänger los. Meine Frau, Elenore, Fanny und ich setzten uns auf den Anhänger. Die Straße war sehr eng, man konnte sie eigentlich eher einen Feldweg nennen. Es ging durch den Wald mit großer Steigung. Nach einer Stunde erreichten wir die Marzoner Alm. Es war ein herrlicher Ausblick. Es war acht Uhr früh und Josef machte den Vorschlag, zu den Kofelraster Seen zu wandern. Ich war gleich begeistert, und auch meine Frau, aber sie hatte nur ganz normale Halbschuhe an, und damit war es völlig unsinnig, diese Tour mitzumachen. Aber Josef meinte, wenn wir den langen Weg gingen, dann würde es schon gehen. Also brachen wir auf, Josef, Elenore, meine Frau und ich. Nach zwei Stunden gemütlichen Marsches hatte Elenore Probleme mit dem Atmen, aber meine Frau und ich vermuteten gleich, dass etwas Kleines unterwegs sei, denn Elenore und Josef waren frisch vermählt.
Josef und Elenore gingen wieder zurück, aber meine Frau und ich wanderten den Weg weiter. Nach drei Stunden Marsch fragte meine Frau, wo diese Seen seien, und ich sagte immer:”Wenn wir den nächsten Hügel erreichen, dann sieht man die Seen.” Man könnte sie eher Teiche nennen, aber es sind natürliche Bergseen. Als wir den Hügel erreichten, sahen wir den nächsten Hügel, und so ging das viermal. Beim letzten Hügel wollte meine Frau umdrehen, denn ihr taten die Füße weh. Doch ich gab nicht nach und beteuerte ihr, dass hinter der Bergkuppe die Seen zu sehen seien.
Endlich hatten wir unser Ziel erreicht, und vor uns in der Senke strahlten die grünblauen Seen. Leider hatte ich keinen Fotoapparat dabei, was ich sehr bedauerte, denn es wären bestimmt schöne Bilder geworden.
Wir machten eine kleine Rast und gingen dann wieder bergab. Ich wählte den kurzen Weg zur Marzoner Alm, und das wäre beinahe für meine Frau eine Katastrophe geworden. Schuld waren ihre Schuhe. Der kurze Weg geht nämlich steil bergab, und es gibt Stellen, wo nicht einmal mehr ein Steg zu sehen ist. Meine Frau rutschte mehr als dass sie ging, und ich beschimpfte mich, dass ich nicht den langen Weg gewählt hatte. Die letzten 200 m trug ich meine Frau, weil sie nicht mehr gehen konnte. Seit dieser Zeit haben wir eine Bergwander-Ausrüstung.
Deshalb mein Rat: nur mit guten Schuhwerk eine Bergwanderung machen. Am besten gleich eine vollständige Ausrüstung anschaffen! Leider hab ich keine Fotos von den Kofelraster Seen.

Wandersmann Karl

In meiner privaten Webseite gibt es tausende Fotos von Wanderungen und Ausflügen

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